Digital durch die Jugend: Risiken und Chancen

Smartphones sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Längst sind die Geräte weit mehr als nur mobile Telefone. Mit ihnen werden Fotos gemacht, Videos gedreht oder angeschaut, die neuesten Hits gehört, Nachrichten mit Freunden ausgetauscht, im Internet recherchiert, Spiele gespielt und vieles mehr.
„Oft kommen Eltern in die Erziehungsberatung und sehen das Thema Mediennutzung ihrer Kinder und Jugendlichen sehr technokratisch“, berichtet Rainer Kehm von der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Neu-Ulm und Illertissen. „Ihre Frage lautet meist: Wie viele Minuten sind pro Tag sollen wir erlauben? Doch gerade weil das Smartphone heute so ein vielfältiges Gerät ist, sind allgemeingültige Regeln für dessen Nutzungsdauer schwierig aufzustellen.“ Stattdessen versucht der Erziehungsberater, bei den Eltern Verständnis für die digitale Generation zu vermitteln: „Sie tun heutzutage nichts anderes als auch die Generationen zuvor – sie hören Musik, fotografieren, schreiben sich mit ihren Freunden, spielen – nur tun sie das heute eben alles gebündelt mit einem Gerät“, erklärt Rainer Kehm. „Darum ist ein genereller Smartphone-Entzug als Strafe so gravierend: weil alle Lebensbereiche lahmgelegt werden.“
Allgemein empfohlene Richtwerte für eine tägliche Mediennutzung sind seiner Erfahrung nach weit jenseits dessen, was in der Realität stattfindet. Darum legt er lieber den Fokus auf „Ausgewogenheit im Alltag“. Dazu gehören neben der Schule und der Mediennutzung eben auch reale soziale Kontakte, körperliche Bewegung, verschiedene Freizeitaktivitäten und ausreichender Schlaf. „Eine solche Ausgewogenheit finde ich wichtiger, als die Frage, ob der Nachwuchs 15 Minuten länger ins Handy schaut, als man eigentlich vereinbart hat. Schließlich macht es auch einen Unterschied, ob er gerade seit zwei Stunden in einer Videokonferenz des Jugendparlaments seiner Gemeinde einen neuen Skateplatz plant oder ein Computergame spielt“, so der KJF Erziehungsberater.
Wichtig sei allerdings, dass Eltern ihrem Nachwuchs von Anfang an Medienkompetenzen vermitteln. Schließlich würde man Kindern auch die Regeln im Straßenverkehr erklären, bevor man sie das erste Mal alleine zur Schule radeln lässt. Genauso müssten Eltern ihre Kinder für die Gefahren der Mediennutzung sensibilisieren. Sie sollten sowohl lernen, welche verlässlichen Quellen etwa für die Recherche für Schularbeiten genutzt werden sollten, als auch, wie sie ihre Privatsphäre in sozialen Medien schützen.
Konkrete Tipps:


• Leichter als Mediennutzungszeiten festzulegen, ist es, medienfreie Zeiten zu vereinbaren; dass beispielsweise während gemeinsamer Mahlzeiten der Fernseher ausgeschaltet bleibt und alle Familienmitglieder – also auch die Erwachsenen – ihre mobilen Geräte weglegen. Generell gilt: Wenige einfache Regeln sind besser für den Familienfrieden als viele zu komplizierte.


• Im Gespräch bleiben: Wo bewegt sich unser Nachwuchs eigentlich in der digitalen Welt und warum? Eltern sollten Interesse dafür zeigen und entwickeln, was die jungen Menschen fasziniert und warum – ohne die Kinder und Jugendlichen dabei zu überwachen. Durch solche Gespräche signalisieren Eltern ihren Kindern auch, dass sie als Gesprächspartner zur Verfügung stehen, wenn dem Nachwuchs etwas begegnet, was sie verunsichert.


• Auf Warnsignale achten: Natürlich können Medien ebenso wie auch Nikotin oder Drogen süchtig machen. Von Sucht spricht man, wenn ein gewissen Kontrollverlust eintritt, der Auswirkungen auf den Alltag hat. Warnsignale können sein: gravierend schlechtere Schulleistungen, sozialer Rückzug, Vernachlässigung anderer Aktivitäten wie etwa des Trainings im Sportverein oder Formen von Entzugserscheinungen wie Anspannung oder Wut, wenn man damit aufhören soll. Wenn die Jugendlichen ihr Leben in die Spielerei einbauen statt umgekehrt, ist sicherlich ein gesundes Maß überschritten und die Eltern sollten professionelle Hilfe suchen.


• Die Chancen sehen: Die Digitalisierung bietet viele neue Möglichkeiten. Eltern dürfen auch die Chancen darin sehen, wenn ihre Kinder damit aufwachsen. Sie sollten darum die digitalen Medien nicht generell verdammen. Spätestens ab der fünften Klasse wird es von den Schulen auch erwartet, dass Jugendliche damit arbeiten und beispielsweise für Referate selbstständig im Internet recherchieren.

Wenn Smartphone, Spielekonsole und Co. immer wieder zu Streit in der Familie führen oder Eltern sich Sorgen machen, ob die Mediennutzung ihres Nachwuchses noch gesund ist, helfen die KJF Erziehungsberaterinnen und Erziehungsberater unkompliziert und kostenfrei weiter. Sie unterliegen der Schweigepflicht.Kontakt: KJF Kinder- und Jugendhilfe Neu-Ulm und Illertissen, Marlene-Dietrich-Straße 3, 89231 Neu-Ulm, Telefon 0731 76050, E-Mail eb.neu-ulm@kjf-kjh.de. Mit Außenstelle in Illertissen, Ulmer Straße 20, Telefon 07303 901810, E-Mail eb.illertissen@kjf-kjh.de.
www.kjf-kinder-jugendhilfe.de/erziehungsberatung
Zusätzlich kann auch die anonyme Onlineberatung unter https://bke-beratung.de genutzt werden.

Bild: Wo bewegt sich unser Nachwuchs eigentlich in der digitalen Welt und warum? Eltern sollten sich damit auseinandersetzen. Foto: KJF Augsburg / Kathrin Ruf.