Leuchtürme in stürmischer See: Co-Regulation

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Stellen Sie sich einmal vor, ein Schiff auf hoher See gerät in Seenot. Es irrt orientie-rungslos und schutzlos auf den vom Sturm aufgepeitschten Wellen umher. Der Leucht-
turm am Festland bringt diesem Schiff Orientierung, um den Weg in den sicher-
heitsspendenden Hafen zu leiten.

Babys und Kleinkinder, die starke Gefühle erleben ähneln einem Schiff in Seenot. Sie werden von ihren Gefühlen überflutet und verlieren dabei schnell die Orientierung und ein Gefühl von Sicherheit. Sie brauchen Eltern als Leuchttürme, die ihre Kinder im Sturm lotsen, ihnen Halt und Orientierung geben, bis der Gefühlssturm ab-
nimmt und der sicherheitsspendende Hafen erreicht wird. Nur so lernen Kinder, ihr Boot im Sturm mit der Zeit selbst zu navigieren und selbstregulative Fähigkeiten zu entwickeln. Doch sehr schnell werden Eltern in den anziehenden. Sog des Gefühlssturms hineingezogen und geraten selbst in einen Stresszustand. Wie gelingt es also dabei Leuchtturm für das Kind zu bleiben?

Das bewusste Wahrnehmen der eigenen Gefühle und Empfindungen im Körper ist dabei zentral. Durch diese körperliche Präsenz können Sie eigene beginnenden Stresszustände wahrnehmen. Das bewusste Atmen wirkt regulierend auf das
autonome Nervensystem, und elterliche innere Stresszustände können reguliert und betreut werden. Somit bleiben Sie körperlich präsent und werden zum Leuchtturm für ihr Kind. Erwachsene, die mit sich selbst in Verbindung sind, nehmen die starken Gefühle des Kindes weniger persönlich, sie können sich besser abgrenzen und
das Gefühl des Kindes „da-sein“ lassen.

Babys und Kleinkinder sind aufgrund ihrer Gehirnentwicklung grundlegend auf ihre Eltern als Co-Regulator*innen angewiesen, um selbst empathische Fähigkeiten zu entwickeln und sich selbst regulieren zu lernen. Empathie ist auch eine Kernkompetenz für ein demokratisches Miteinander, passend zum Jahresthema der fbs.